Rezepte für Performancekunst

Unser Projekt über Rezepte für Performancekunst oder, auf Dänisch Performanceopskrifter, ist eine Zusammenarbeit mit Copenhagen Contemporary und deren kollaborativer, museumspädagogischer Abteilung CC Studio. Es hat das Ziel, neue, originelle Ideen für die Aufnahme von Werken der Performancekunst in die Sammlungen von Kunstinstitutionen zu entwickeln. Wir laden internationale Künstler ein, ihre aktuelle Arbeit zu präsentieren und zugleich Rezepte für Performances zu entwickeln, die von künftigen Besuchern durchgeführt werden können, lange nachdem die Künstler abgereist sind.

Hintergrund
Live Art Danmark interessiert sich seit langem für die Rezepte oder Instruktionen, die von Künstlern verfasst werden, um anderen die Möglichkeit zu geben, ihre Werke zu performen. Sie lassen sich mit Partituren und Manuskripten vergleichen, wo sich auch Score und Aufführung als unabhängige Kunstwerke betrachten lassen.

Das Format erlebte seine Blütezeit währen der Fluxus-Bewegung in den 1960er Jahren. Künstler wie Yoko Ono, Erik Andersen und viele andere veröffentlichten damals Event Scores. Beispiele finden sich jedoch auch in diversen anderen Epochen der Geschichte der modernen Kunst. So enthält das Futuristische Kochbuch von 1930 Rezepte für Food Art, die durchaus als Performances betrachtet werden können. Eines davon haben wir für Live Art für Kids 2018 im Kunstmuseum Brandts in Odense zubereitet.

Marcel Duchamp war vielleicht der erste Künstler, der ein Rezept als Kunstwerk verfasst hat. In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg verfasste er seine Sculpture Musicale, die wir 2018 in Rio de Janiero rekonstruierten. Ein Video der partizipatorischen Performance, die sich daraus ergab, findet sich hier.

Performance Rezepte heute
Für unser fortlaufendes Projekt laden wir seit 2019 KünstlerInnen zu einem Aufenthalt im CC Studio von Copenhagen Contemporary ein, was Live Art Danmark zum vielleicht ersten Kuratorenteam der Welt macht, das für eine museumspädagogische Abteilung kuratiert! Die KünstlerInnen werden eingeladen, ihre Ideen als Rezepte zu formulieren, die spontan von Museumsbesuchern getestet werden können. CC Studio kann die Rezepte auch weiter entwickeln, nachdem die KünstlerInnen nach Ghana, Kanada, Deutschland oder England zurückgekehrt sind.

Das Rezeptformat kann eine große Hilfe für Museen sein, die es häufig als aufwändig und teuer empfinden, Performancekunst zu zeigen, weil die Präsentation von Performances im Allgemeinen die simultane Anwesenheit von Künstler und Publikum erfordert. Mit den Rezepten verbleibt die Performance nach Abreise der KünstlerInnen in der Institution, und ihre performative live-Qualität kann jederzeit von den BesucherInnen selbst wiederbelebt werden.

Als eigenständige Kunstwerke können Performancerezepte in äußerst poetischer Form erscheinen, etwa im Futuristischen Kochbuch oder bei Yoko Ono. In anderen Fällen ähneln die Rezepte dem Regelwerk für ein Spiel. Wir arbeiteten in mehreren Projekten mit dem Spielcharakter von Performances, sowohl in eigenen Arbeiten als auch in Werken, die wir kuratierten. Die vier Spiele die Hue/Boy für das Gefängnis von Horsens im Rahmen unseres Horsens Happening erfanden, sind ein gutes Beispiel. Ihre Mini-LARPs (Live Action Role Plays), luden Besucher dazu ein, das Gebäude des ehemaligen Gefängnisses durch Geschichten und Spiele auf neue Weise kennenzulernen.

Performancerezepte als Dokumentation
Nicht zuletzt sehen wir das Rezeptformat auch als Form der Dokumentation von Performances. Live Art Danmark beschäftigt sich seit langem mit der Dokumentation von Performances und hat dabei diverse Medien erkundet, einschließlich Video, Fotos, kritisches Schreiben, Kinderzeichnungen und, aktuell, virtuelle Realität. In unserer Arbeit mit Dokumentation gilt unser Hauptaugenmerk stets Techniken, die die Arbeiten so erhalten oder rekonstruieren, dass die spezielle Magie der lebendigen Gegenwart erhalten bleibt.